
Jährlich gelangen über 12 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere. Der „Pazifische Müllstrudel“ ist inzwischen dreimal so groß wie Frankreich. Mikroplastik findet sich in Fischen, Muscheln – und letztlich auch auf unseren Tellern.
- 80 % der Meeresabfälle bestehen aus Kunststoff1
- Täglich gelangen rund 8 Millionen Plastikteile ins Meer2
- Nur 9 % des Plastikmülls werden weltweit recycelt3
Plastikflut im Ozean – und wie wir sie gemeinsam stoppen können
Plastik ist praktisch. Keine Frage. Es hält frisch, ist leicht, stabil – und überall. Aber genau das ist das Problem: Es ist wirklich überall. In Supermärkten, in Badezimmern, in Autos – und leider auch in unseren Ozeanen. Und da gehört es nun mal nicht hin.
Die Meere sind voll davon. Von Tüten, Flaschen, Netzen, Zahnbürsten, Mikroplastik. Und das ist nicht nur unschön, sondern gefährlich – für Tiere, für Ökosysteme und letztlich auch für uns. Aber bevor wir jetzt alle deprimiert den Kopf in den Sand stecken: Es gibt Wege raus aus dem Plastikdilemma. Und die fangen bei uns selbst an.

Wie konnte es so weit kommen?
Die Geschichte ist schnell erzählt: Plastik wurde in den 1950ern zum Star. Günstig, vielseitig, haltbar – ein echter Alleskönner. Und dann ging’s los: Verpackungen, Spielzeug, Möbel, Kleidung, Technik. Heute produzieren wir weltweit über 400 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr. Ein Großteil davon landet nach kurzer Nutzung im Müll. Oder direkt in der Umwelt.
Besonders problematisch: Einwegplastik. Also alles, was wir nur einmal benutzen und dann wegwerfen – Becher, Tüten, Strohhalme, Verpackungen. Die leben dann noch Jahrhunderte weiter, während wir längst vergessen haben, dass wir sie überhaupt benutzt haben.

Was passiert mit dem Plastik im Meer?
Ein Teil wird angespült – das sehen wir an Stränden. Ein anderer Teil treibt auf der Wasseroberfläche, sammelt sich in riesigen Müllstrudeln wie dem „Great Pacific Garbage Patch“. Und vieles sinkt ab – auf den Meeresboden, wo es kaum jemand sieht, aber trotzdem Schaden anrichtet.
Meerestiere verheddern sich in Netzen, schlucken Plastikstücke, verwechseln Müll mit Nahrung. Schildkröten halten Tüten für Quallen, Fische fressen Mikroplastik, das sich in ihrem Gewebe ablagert. Und das landet dann – Überraschung – auch auf unseren Tellern.

Mikroplastik – das unsichtbare Problem
Mikroplastik ist winzig, aber tückisch. Es entsteht, wenn größere Plastikstücke zerfallen, oder kommt direkt aus Produkten wie Peelings, Zahnpasta oder synthetischer Kleidung. Es ist mittlerweile überall: im Wasser, in der Luft, im Boden – und sogar in unserem Körper.
Studien haben Mikroplastik in menschlichem Blut, in der Plazenta und in der Lunge gefunden. Was das langfristig bedeutet? Weiß man noch nicht genau. Aber gesund klingt anders.
Wer ist schuld?
Tja, das ist nicht ganz so einfach. Es gibt nicht den einen Schuldigen – sondern ein ganzes System, das auf Plastik baut.
- Hersteller setzen auf günstige Verpackungen.
- Politik hat lange gezögert, klare Regeln zu schaffen.
- Verbraucher greifen oft zur bequemsten Lösung.
- Entsorgungssysteme sind in vielen Ländern überfordert oder gar nicht vorhanden.
Aber: Schuld bringt uns nicht weiter. Verantwortung schon. Und die können wir alle übernehmen – jeder auf seine Weise.

Was können wir selbst tun?
Jetzt wird’s konkret. Denn hier kommt die gute Nachricht: Jeder von uns kann etwas tun. Und zwar ohne sein Leben komplett umzukrempeln.
- Weniger kaufen – klingt banal, ist aber effektiv. Brauche ich wirklich die in Plastik eingeschweißte Gurke? Oder geht’s auch lose? Muss es der Coffee-to-go-Becher sein – oder tut’s der eigene Thermobecher?
- Mehr wiederverwenden – Taschen, Flaschen, Dosen, Boxen – alles gibt’s auch in langlebig. Und sieht oft sogar besser aus.
- Richtig entsorgen – Mülltrennung ist kein Hexenwerk. Und wer unsicher ist, findet online schnell raus, was wohin gehört.
- Mikroplastik meiden – Peelings mit Plastikpartikeln? Braucht kein Mensch. Kleidung aus Polyester? Lieber seltener waschen und mit Mikroplastikfilter. Es gibt Alternativen – man muss sie nur kennen.
- Andere mitziehen – Erzählen hilft. Im Freundeskreis, im Büro, auf Social Media. Je mehr Leute mitmachen, desto größer der Effekt.
Gute Beispiele gibt’s schon
Ein paar Lichtblicke gefällig?
- In Indonesien gibt’s Schulen, die Plastikmüll als „Schulgeld“ akzeptieren.4
- In Berlin gibt’s Supermärkte ganz ohne Verpackungen.5
- In Afrika entstehen Straßen aus recyceltem Plastik.6
- In Chile dürfen große Händler keine Plastiktüten mehr ausgeben.7
- In Frankreich müssen Fast-Food-Ketten Mehrweggeschirr anbieten.8
Und auch Unternehmen ziehen nach: Mehrwegverpackungen, Recycling-Initiativen, plastikfreie Produkte. Klar, nicht alle – aber der Trend ist da.
Und jetzt?
Die Plastikflut ist kein Naturgesetz. Sie ist menschengemacht – und damit auch umkehrbar. Es braucht keine Weltrevolution, sondern viele kleine Schritte. Und die können wir gehen. Heute. Jetzt.
Ob du beim Einkaufen anders entscheidest, beim nächsten Strandurlaub Müll sammelst oder einfach nur deinen Freunden erzählst, was du hier gelesen hast – du bist Teil der Lösung.
Quellen:
- https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/meere/nutzung-belastungen/muell-im-meer ↩︎
- https://www.sea-help.eu/dies-das/plastik-plastikmuell-im-meer/ ↩︎
- [www.beyond…urfing.com] ↩︎
- https://indojunkie.com/plastik-muell-indonesien/ ↩︎
- https://original-unverpackt.de/ ↩︎
- https://www.gemeinsam-fuer-afrika.de/strassen-aus-plastik/ ↩︎
- https://www.watson.de/nachhaltigkeit/good-news/868541349-bis-zu-350-euro-strafe-chile-verbietet-saemtliche-plastiktueten ↩︎
- https://www.20min.ch/story/frankreich-verbietet-einweggeschirr-in-fast-food-ketten-und-die-schweiz-777420651210 ↩︎
