Ein Teenager, eine Vision – und ein globales Problem
Es begann mit einem Tauchgang. Der damals 16-jährige Boyan Slat war in der Ägäis unterwegs, als ihm auffiel: Zwischen den Fischen schwamm mehr Plastik als Leben. Was für viele ein kurzer Schreckmoment gewesen wäre, wurde für ihn zur Initialzündung. Zurück in den Niederlanden begann er zu recherchieren, zu konstruieren – und schließlich zu handeln. 2013 gründete er die NGO The Ocean Cleanup, mit dem Ziel, die Ozeane von Plastikmüll zu befreien.
Die Organisation hinter der Mission
Mit Sitz in Rotterdam ist The Ocean Cleanup heute eine der bekanntesten Umweltorganisationen weltweit. Sie agiert als Stiftung („Stichting“) und betreibt mehrere Tochterfirmen, die sich auf Technik, Logistik, Recycling und regionale Projekte konzentrieren. Über 130 Mitarbeitende – darunter Ingenieur:innen, Wissenschaftler:innen und Projektmanager:innen – arbeiten an einem gemeinsamen Ziel: die Meere sauberer zu machen.
Systeme zur Ozeanreinigung
Die ersten Versuche waren holprig. System 001, liebevoll „Wilson“ genannt, sollte 2018 den Great Pacific Garbage Patch durchkämmen – einen gigantischen Müllstrudel zwischen Hawaii und Kalifornien. Doch technische Probleme zwangen das Team zur Rückkehr. Die nächste Generation, System 002 („Jenny“), war robuster und konnte 2021 erstmals erfolgreich Plastik einsammeln.
Heute ist System 003 im Einsatz: Mit 2,2 Kilometern Länge und einem Auffangnetz, das vier Meter tief reicht, ist es das bislang leistungsfähigste Modell. Es kann alle fünf Sekunden eine Fläche in der Größe eines Fußballfeldes reinigen – und das mit Rücksicht auf Meereslebewesen, dank integrierter Sicherheitsmechanismen.
Flussbarrieren: Der Müll an der Quelle stoppen
Da rund 80 % des Meeresplastiks über Flüsse eingetragen wird, setzt The Ocean Cleanup auch auf sogenannte Interceptor-Systeme. Diese schwimmenden Barrieren fangen Müll in Flussmündungen ab, bevor er ins Meer gelangt. Inzwischen sind sie in 15 Flüssen weltweit aktiv – von Indonesien über Jamaika bis Guatemala.
Ein besonders ambitioniertes Projekt ist das „30 Cities Program“, das bis 2030 ein Drittel des globalen Flussplastiks stoppen soll. In Panama etwa sollen jährlich bis zu 800.000 Kilogramm Müll aus der Bucht gefischt werden.
Zahlen, die bewegen
- 10.000 Tonnen Plastik wurden bis 2024 aus dem Pazifik geborgen.1
- Der Great Pacific Garbage Patch enthält über 100 Millionen Kilogramm Plastikmüll.2
- In Guatemala wurden allein 13.000 Tonnen Plastik aus Flüssen entfernt.3
- Ziel: 90 % des schwimmenden Plastiks bis 2040 aus den Ozeanen entfernen.4
Kritik und Kontroversen
Trotz der beeindruckenden Zahlen bleibt The Ocean Cleanup nicht unumstritten. Kritiker:innen bemängeln, dass sich die Organisation zu stark auf die Symptome konzentriere – also auf die Beseitigung des Mülls – statt auf die Ursachen. Zudem sei der Großteil des Plastiks nicht sichtbar, sondern als Mikroplastik im Wasser oder am Meeresboden verteilt.
Auch die Frage nach der Nachhaltigkeit der eingesetzten Technologien wird diskutiert. Die Organisation begegnet diesen Vorwürfen mit Transparenz, wissenschaftlicher Begleitung und kontinuierlicher Weiterentwicklung ihrer Systeme.
Recycling und Upcycling: Was passiert mit dem gesammelten Müll?
Der eingesammelte Plastikmüll wird nicht einfach entsorgt, sondern weiterverwertet. So entstehen etwa Autoteile, Sonnenbrillen oder Designobjekte aus Ozeanplastik. The Ocean Cleanup arbeitet mit Unternehmen wie Kia zusammen und hat sogar einen Herkunftsnachweis für recyceltes Material entwickelt.
Aktuelle Projekte und Partnerschaften
Neben den technischen Innovationen setzt die NGO auch auf Kooperationen. Mit Amazon Web Services (AWS) etwa wird KI zur Optimierung der Sammelrouten eingesetzt. In Japan wird an neuen Modellen zur Plastikvermeidung gearbeitet, und in Jamaika wurde kürzlich ein neuer Interceptor in Betrieb genommen.

Ein Blick in die Zukunft
Boyan Slat bringt es auf den Punkt: „Wenn die Ozeane sauber sind, können wir uns selbst abschaffen.“
Diese Aussage ist mehr als ein PR-Slogan – sie ist das Ziel. The Ocean Cleanup will sich überflüssig machen, indem es das Problem an der Wurzel packt und langfristige Lösungen schafft. Bis dahin bleibt die Organisation ein Hoffnungsträger für eine Welt, in der Plastik nicht länger das Meer dominiert.
Besuche The Ocean Cleanup: https://theoceancleanup.com/
Quellen:
- [www.zdfheute.de] ↩︎
- [theoceancleanup.com] ↩︎
- [www.dailydose.de] ↩︎
- [theoceancleanup.com] ↩︎





